Easy Rider nach Dalat

Ich musste einfach aus Nha Trang raus. Nach zwei Nächten hatte ich die Ohren voll.

Um wieder etwas vom richtigen Vietnam zu sehen, habe ich mir für 65 USD pro Tag einen privaten Guide organisiert. In zwei Tage fuhren wir von Nha Trang nach Dalat.

 

Easy Rider

Easy Rider sind in Vietnam weit verbreitet. Das sind Guides mit eigenem Motorrad. Sie bringen einen von A nach B, sprechen meistens gutes Englisch und kennen versteckte Ecken im Land.

Es gibt sogar Touren von Ho-Chi-Minh-Stadt bis nach Hanoi, aber die populärsten sind im Süden des Landes im Gebiet von Nha Trang, Dalat und Mui Né.

Man kann eine Easy Rider auf der Straße ansprechen oder eine Firma aufsuchen, die oft mehrere Easy Rider unter Vertrag haben. Ich entschied mich für die Firma Nha Trang Easy Rider, denn ich habe schon viele Schreckensgeschichten mit Freelancern gehört.

Mein Easy Rider war ein 21 jähriger Mann aus Nha Trang. Er war ein lustiger Kerl, der sehr sicher fuhr und mich auf der Fahrt nicht abzockte (denke ich jedenfalls). Wenn wir für Essen anhielten, hat er genau den selben Preis, wie ich bezahlt.

 

Von Nha Trang ins Homestay

Wir fuhren morgens um 8 Uhr von Nha Trang los. Wir hielten bis zur ersten richtigen Pause an einem stinkenden Fischhafen (glaubt mir, so ein Gestank habe ich noch bei keinem Fischhafen an der Nordsee gerochen), einer Pilzfarm und an mehreren Aussichtspunkten. Die Pilzfarm war jetzt eher uninteressant.

Nach der Frühstückspause fuhren wir weiter in den Dschungel und passierten dabei viele Dörfer der H’Mong und aßen dort in einem Restaurant.

Hinter dem Restaurant schloss sich direkt ein kleiner Raum an, indem die Köchin mit ihrem Mann wohnt. Der Mann servierte uns heißen Tee in einer us-amerikanischen Feldflasche, die er vor Jahrzehnten auf dem Feld gefunden hatte.

Nachdem wir, wie üblich Nudelsuppe, gegessen hatten, nahm er mich mit nach hinten und zeigte mir ein Möbelstück aus Mahagoni, dass er hinter einem Schrank in mehreren Plastikbeuteln versteckt hält. Würde er es verkaufen, könnte er 400 USD dafür bekommen. Verkaufen möchte er aber nicht, sondern es als Luxus behalten. Wieso er das Möbelstück als Luxus behält, habe ich nicht ganz verstanden, denn er möchte nicht, dass es gestohlen wird und es deshalb vor seinen Nachbarn geheim hält.

Auf dem weiteren Weg sahen wir Menschen bei der Reisernte, wurden mal wieder von einem Unwetter überrascht und kamen schließlich bei unserem Homestay an. Das Homestay lag auf einer Halbinsel in einem Bergsee namens Hò Lak. Das Dorf war spitze und hat mir richtig gut gefallen.

Ich war der einzige Tourist im ganzen Dorf. Das Dorf war sauber und aufgeräumt, ich habe keinen Plastikmüll gesehen und jede 50 Meter stand eine Mülltonne. Ich fand es einfach toll.

 

Vom Homestay nach Dalat

Am nächsten Tag wurde ich von dutzenden Hähnen geweckt. Gegen 8 fuhren wir weiter. Neben einem Wasserfall, einer Kaffee- und Pfefferplantage, besuchten wir eine Seidenfabrik und trunken Kopi Lowak.

Kopi Lowak ist ein besonderer Kaffee, der auf meiner To-Do-Liste stand. Die Bohnen werden von Wieseln gegessen und unverdaut ausgeschieden. Der Kaffee sollte einen besonderen Geschmack haben.

Abgesehen davon, dass er fünf Mal so teuer war, wie ein normaler Kaffee, und er unglaublich stark war, habe ich nichts besonderes geschmeckt.

Es ist, für mich, ganz normaler bitterer Kaffee.

Am Ende des Tages saß ich in der Lobby meines neuen Hostels in Dalat und war glücklich über die zwei Tage die ich in den Bergen auf einem Motorrad verbracht habe.