Gastartikel von Katrin: Madrid – Schinken ist kein Fleisch

Auf diesen Artikel bin ich sehr stolz, denn es ist der erste Gastartikel auf diesem Blog. Der Artikel wurde von Katrin geschrieben, die seit 2014 in Madrid lebt. Auch ihr Herz pocht für Essen und verschiedene Kulturen. Sie tourte bereits durch die USA und Osteuropa und lässt sich von der Neugier über neue Kulturen antreiben.

 


 

„Jamón no es carne“ – Schinken ist kein Fleisch

Ja, das was da oben steht stimmt! Zumindest laut Spaniern. Manchmal habe ich hier das Gefühl, Fleisch ist eine Religion und Jamón der Gott.

Ich berichte euch etwas darüber, wie und was hier in Spanien gegessen wird. Denn man glaubt es kaum, aber es ist wirklich ein großer Unterschied!madrid gruppe foto

Zunächst zu mir, ich bin Katrin, 23 Jahre alt und wohne nun seit fast 6 Monaten in Madrid. Eine super coole Stadt, in der es so viel zu entdecken gibt. Nun gut, wir wollen hier nicht über Madrid reden, sondern über Essen. Essen in Spanien.

Als ich hier ankam im September 2014, hatte ich meine kleinen Problemchen. Ich wohne mit zwei Spaniern zusammen und ich habe anfangs oft ein Kommentar zu meinem Essen einfangen müssen: „Du isst jetzt schon Abendbrot?“ „Warum machst du immer Pfeffer an dein Essen?“ „Isst du alles in pürierter Form?“ (Ich habe Möhrensuppe gegessen.) Und so weiter und so fort. Ein guter Einstieg um mit dem „normalen“ Tages-Essens-Ablaufs eines Spaniers anzufangen. Und ich habe wirklich nicht viele getroffen, die von diesem abweichen.

Meine Quelle ist die Erfahrung und die Gewohnheiten die ich hier im letzten halben Jahr gesammelt habe.

Morgens: „Desayuno“ – Frühstück

Wenn früh aufgestanden wird, das heißt vor der Uni oder der Arbeit, gibt es kein Frühstück wie wir es kennen. Es wird ein starker spanischer Kaffee getrunken und dann geht es los.

Wird jedoch später aufgestanden, das heißt am Wochenende, darf der Kaffee aus der „Cafetera“ natürlich auch nicht fehlen, aber es gibt dazu entweder ein „Cruasán de Mantequilla“, Buttercroissant,

cafetera foto

Cruasán Napolitana“, Croissant mit Schokoladen-Nuss-Füllung oder „Tostada con tomate y aceite“, meistens ein getoastetes Baguette mit sehr kleingeschnittenen Tomaten, Salz und Olivenöl. Letzteres und das Buttercroissant kann ich sehr empfehlen. Beim „Cruasán Napolitana“ kommt es immer darauf an, wie viel Füllung enthalten ist, meistens ist es zu viel.

 

Mittags: „Comer“

Was für uns schon Nachmittag ist, ist hier Essenszeit. Ab 14 Uhr wird angefangen mittag zu essen. Es wird viel mit Kartoffeln („Patatas Bravas, Kartoffelecken mit scharfer Sauce,

„Patatas Fritas“, Pommes Frites) zubereitet, auch „Empanadillas“ sind sehr beliebt. Das sind Teigtaschen, die oft mit Thunfisch oder Kochschinken und Tomatensauce gefüllt sind.

Zum Kochen wird hier ausschließlich Olivenöl genutzt, Raps- oder Sonnenblumenöl kommt hier nicht ins Haus. Meistens werden gleich große 5 Liter Kanister gekauft, denn mit Olivenöl wird nicht gespart. Wenn wir Bratkartoffeln oder ein Spiegelei mit etwas Öl oder eher Butter (-schmalz) zubereiten, ähnelt es hier am Ende eher frittierten Kartoffeln, da die Pfanne ordentlich mit Olivenöl gefüllt wird. Warum hier fast ausschließlich Olivenöl genutzt wird, hat nicht nur den Grund, dass Spanien gute Bedingungen für den Anbau von Olivenbäumen hat. Im Jahre 1981 gab es das sogenannte „Ölsyndrom“:

Das Spanische Ölsyndrom (engl. Toxic Oil Syndrome (TOS), span. síndrome del aceite tóxico) entstand 1981 infolge einer Massenvergiftung durch verunreinigtes Speiseöl. Dabei erkrankten ca. 20.000 Personen, etwa 330 starben wenig später. (Link Wikipedia)

 

Nachmittags/früher Abend: „Merienda“

Nach dem die Siesta geschlafen wurde, etwa zwischen 17:30 Uhr und 18:30 Uhr folgt die „Merienda“. „Merienda“ kann man mit „Kaffeetrinken“ vergleichen. Erneut wird sich ein Kaffee gekocht und man isst entweder ein herzhaftes „Bocadillo“, ein meistens mit Schinken, Käse oder Chorizo belegtes Brötchen, oder „Dulces“, das heißt süßes Gebäck. Als „Dulce“ sehr beliebt und bekannt sind „Churros con chocolate caliente“. „Churros“ ist ein aus Brandteig zubereitetes, frittiertes und mit Zucker bestreutes Gebäck. Es ist super lecker, vor allem mit der heißen Schokolade, die keine normale heiße Schokolade ist, sondern puddingähnliche etwas dickflüssigere Schokolade. Man sagt sich, die besten „Churros con chocolate caliente“ kann man in Madrid im berühmten Café „San Gines“ essen. Ich war bereits einige Male da und kann es wirklich wärmstens empfehlen. Zudem hat dieses Café 24 Stunden geöffnet und ich habe es noch nie leer gesehen, und ja, ich war auch schon einmal um 5 Uhr morgens da!

 

Tapas

Kommen wir nun zu den berühmt-berüchtigten Tapas. Auch davon habe ich schon die einen oder anderen gegessen. Zunächst einmal, warum heißen Tapas Tapas und warum gibt es sie eigentlich? „Tapa“ bedeutet übersetzt Deckel oder auch Abdeckung. Und warum gibt es nun diese Tapas? Nunja, mir wurde erzählt, dass „früher“ das Bier oder der Wein abgedeckt wurde, um das Getränk vor Insekten zu schützen. Damit diese Abdeckung nicht wegfliegt, wurde sie mit einer Kleinigkeit zu Essen, zum Beispiel ein oder zwei Oliven, beschwert.

Tapas werden zu jeder Tageszeit gegessen!

Nun gibt es zwei Arten von Tapas-Bars, die einen servieren zu jedem bestellten Getränk eine Kleinigkeit zu essen, ohne dass man dazuzahlen muss. Dies kann von einem einfachen Schälchen Oliven oder gesalzenen Chips, bis hin zu kleinen Portionen „Jamón“ mit Baguette, „Chorizo“ mit Pommes Frites, ein Stückchen „Tortilla“ -Omelette mit Kartoffeln, Ei und Zwiebeln; sehr lecker! oder „Albóndigas“- kleine Hackbällchen mit Tomatensauce und und und… reichen. Der Vielfalt der Tapas ist keine Grenze gesetzt.

In der anderen Art Bar bestellt man sich sein Getränk, bekommt keine Tapa dazu (oder nur ein paar Oliven), kann sich dann aber für 1-3 Euro kleine Portionen bestellen, was bei kleinem Hunger oder nur probieren wollen sehr praktisch ist.
Ich für meinen Teil war schon oft unterwegs um eine „Caña“ (Bier 0,2L) zu trinken und bin am Ende, ohne es zu wollen, satt zu Hause ankommen.

 

Abendbrot: „La cena“

Jetzt wird es noch einmal interessant! Nein es ist kein Scherz, hier wird wirklich sehr spät zu Abend gegessen. Es gibt Abende an denen meine Mitbewohnerin isst und ich mich gerade auf den Weg ins Bett mache, das heißt zwischen Mitternacht und 1 Uhr. Dann gibt es andere Tage da wird „schon“ um 22 oder 23 Uhr gegessen. Die Essenzeit macht sich auch an den Öffnungszeiten der Restaurants bemerkbar. Die Mehrheit der Restaurants (keine Bars, die haben gefühlt 24 Stunden am Tag auf!) öffnen erst um 21 Uhr. Gegessen wird ähnlich wie Mittags, beliebt sind auch „Croquetas de Jamón“ –Kroketten mit Käse und Schinken gefüllt, Fisch oder Meeresfrüchte mit Pasta.

 

Vegetarisch ernähren in Spanien

Wohnt man, wie ich, längere Zeit in Leipzig, sind Vegetarier, Veganer und Biosupermärkte keine Seltenheit und auch keine Fremdwörter mehr. Hier in Madrid schon. Ich habe vereinzelte Biosupermärkte gesehen und auch Vegetarier kennengelernt, die allerdings Belgier oder Deutsche sind, aber sonst hat man es als Vegetarier hier schwer und ich glaube als Veganer wäre das Überleben quasi unmöglich. Wenn ich erzähle, dass ich nicht sonderlich viel Fleisch esse und doch lieber das Brötchen mit Käse und nicht mit Schinken bestelle, wird sich doch sehr gewundert. Zusammengefasst heißt das, dass man als Vegetarier in Spanien nicht nur eine kleine Auswahl auf der Speisekarte hat, denn außer „Tortilla“ oder „Patatas Bravas“ (frittierte Kartoffeln mit scharfer Sauce) bleibt einem kaum etwas übrig., es heißt auch, dass man sich öfter als vielleicht in Deutschland erklären muss. Wenn es auf der Speisekarte ein „Sandwich vegetal“ (Sandwich mit Gemüse) gibt, heißt es noch lange nicht, dass es ohne Fleisch ist, nein, es heißt ausschließlich, dass das Sandwich auch Gemüse enthält.

 

Preise

Die Preise im Supermarkt kann man mit denen in Deutschland vergleichen. Wenn das eine Lebensmittel eventuell etwas teurer ist, ist das andere dafür günstiger. Wenn ich also im Supermarkt einkaufen gehe, gebe ich im Durchschnitt nicht mehr Geld aus als in Deutschland.

Die Preise in Restaurants und Bars, was sowohl Getränke als auch Essen angeht, schätze ich hier wesentlich günstiger ein. Wenn man keine Tapas bestellt, kann man „Raciones“ bestellen. Das ist das Essen was ebenfalls als „Tapa“ angeboten wird, jedoch als große Portion. Diese Portionen kann man ab 6 Euro bestellen, oder sich dann doch für zwei oder mehrere Tapas entscheiden. Ich habe hier noch nie zu kleine Portionen bekommen! Eine „Caña“ (welche hier viel konsumiert werden), kosten von 0,40 Euro (!!) bis 1,50 Euro. Eine alkoholfreie Cola oder Fanta kosten im Verhältnis meistens mehr.

 

Zum Schluss

Obwohl die Spanier ungern von ihrer Essensgewohnheit abrücken, bekomme ich mittlerweile zu hören, dass ich gut essen würde, sehr gesund. Meine Mitbewohnerin hat (langsam) damit angefangen, sich etwas gesünder zu ernähren. Und ja: „Eigentlich ist es schlecht, dass wir so spät essen, so kurz vor dem Schlafen gehen.“

Ich könnte noch mehr über die spanische Essenskultur und dieses Land schreiben, denn es gibt neben den (wirklich leckeren) Gerichten, die ich bereits aufgezählt habe noch viele viele mehr, die man zusammen mit superfreundlichen Spaniern, in der immer strahlenden spanischen Sonne bei einer Caña genießen kann.

¡Hasta luego!

Katrin

 


Bilder in diesem Artikel wurden freundlicherweise von Katrin bereitgestellt.

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