Mekong-Delta

„Raus aus der Stadt und ab auf’s Land!“

Das war mein Plan für das Mekong-Delta und der ging für die erste Nacht leider nicht auf.

Ich nahm mir vor in Homestays unterzukommen. In einem Homestay wohnt man zusammen mit einer vietnamesischen Familie in einem Haus. Man kocht und verbringt den Tag zusammen. Diese Art von Übernachtung ist etwas Anderes und in den meisten Fällen sehr angenehm.

 

Can Tho, das Zentrum im Mekong-Delta

Ich verlies Dalat am morgen um 7 Uhr und kam 11 Stunden später in Can Tho an. Can Tho liegt Zentral im Mekong Delta und von hier fahren Busse und Boote in jede noch so kleinste Ecke.

Mit einem Homestay hatte ich abgemacht, dass ich um 19 von der Busstation außerhalb der Stadt abgeholt werde. Um 20 Uhr war immer noch niemand da, weshalb ich mich ins Shuttle setzte, ins Zentrum fuhr und mich auf eigene Faust aufmachte ein Hotel zu finden. Das günstigste Hotel, das ich finden konnte, war schlecht, aber ich nahm es trotzdem. 6 USD für die Nacht, Kakerlaken inklusive.

Am nächsten Tag wurde ich dann nach 1,5 Stunden Warten von einem Mototaxifahrer abgeholt und ins Homestay kutschiert. Ich war echt glücklich aus der Stadt rauszukommen, denn hier gab es wirklich keinen großen Lärm und ich konnte in ruhe ein Buch lesen und entspannen.

 

Das Homestay bei Can Tho

Eine eigene Hängematte, ein perfekter Blick auf den Fluss, ein eigener Bungalow und Essen inklusive. Es war eigentlich kein Homestay, sondern ein Hotel, aber das war mir egal, denn ich wollte Ruhe und dem dröhnenden Verkehr Vietnams entkommen.

Nach der ersten Nacht habe ich an einer Tour zu den schwimmenden Märkten teilgenommen. Wir fuhren durch die Märkte und besuchten einige Farmen. Wir lernten viel über die vietnamesische Kultur im Mekong-Delta. Die Menschen waren sehr freundlich. Ein Bauer war gerade mit seinen Nachbarn bei der Melonenernte. Er hatte einen sehr guten Preis mit dem Kaufmann ausgemacht und war sehr glücklich. Er zeigte uns auführlich seine Felder. Am Ende gab er uns riesige Wassermelonen auf den Weg.

Nach zwei Nächten nichts tun, Bücher lesen und Mückenstiche sammeln, habe ich mich zum nächsten Homestay aufgemacht. Ein Mototaxifahrer brachte mich zum lokalen Busbahnhof. Dort sprang ich in letzter Sekunde in einen Bus und wir fuhren nach Vinh Long.

 

Das Homestay in Vinh Long

Vinh Long ist 35 km von Can Tho entfernt. Wir haben 2,5 Stunden gebraucht, weil wirklich jede Bushaltestelle angefahren und dort für mehrere Minuten gewartet wurde.

Von der Busstation ging ich zur Fährstation und durchquerte einen wunderschönen Markt, der sich über mehrere Straßen durchzog. Die Verkäufer boten ausschließlich Gemüse und Früchte an. Die Straßen waren bunt von all den möglichen Früchten.

Mit der Fähre fuhr ich auf die Insel „An Binh“ und ging weiter zu meinem Homestay. Auf dem Weg fing es an zu regnen und der Regen wurde so stark, dass ich mich in einem kleinen Café hinsetzte. Ich bestellte eine Pepsi für schlapp 8000 Dong (ca. 28 Cent) und wartete den Regen ab. Der zehnjährige Junge des Hauses schloss mich in sein Herz, brachte mir Mittagessen und übte sein Englisch mit mir. Nach einer Stunde lies der starke Regen nach und ich machte mich wieder auf.

Dieses Mal war es ein richtiges Homestay. Mein Bett war im selben Haus mit der Familie und gegessen wurde gemeinsam.

Ich schnappte mir ein Fahrrad und erkundete die Gegend. Auf meinem Rückweg hielt ich wieder am Café und bestellte einen Kaffee. Der Junge bot an mir die Pagode zu zeigen. Für den Kaffee durfte ich nicht bezahlen, da seine Mutter jede Bezahlung abwies. Der Junge saß also auf dem Gepäckträger und dirigierte mich zur Pagode. Er wollte, dass wir einen Umweg nehmen, damit er seinen Freunden, die auf der Straße spielten, zeigen konnte, dass er mit einem Weißen unterwegs ist und ihm die Gegend zeigen darf. Die Pagode war nicht wirklich schön, aber dass der Junge mir sein Dorf gezeigt hat, ist ein Erlebnis, das ich nicht so schnell vergessen werde.

 

Abreise

Am nächsten Tag ging ich den gleichen Weg zurück, nahm die Fähre und anschließend ein Taxi zum Fernbusbahnhof. Ich hatte versucht ein Ticket per Telefon den Tag zuvor zu organisieren, aber da die Woche zur Feier der Unabhängigkeit zu Ende war und jeder Arbeitnehmer, der in Saigon arbeitet, zurück in die Stadt fuhr, war alles ausgebucht.

Ich versuchte mein Glück bei mehreren Busunternehmen, aber alle waren komplett ausgebucht. Letztendlich freundete ich mich mit einer Angestellten von Mai Linh Express an und nach nur einer Stunde hatte ich ein Ticket für 4,60 € nach Saigon. In einem überfüllten Bus rüttelte ich also für die nächsten 4 Stunden über eine marode Schnellstraße nach Saigon.