Special: Alleine reisen – Wie fühlt sich das an?

In letzter Zeit wurde ich oft gefragt, warum ich alleine reise und wie sich das mit der Zeit anfühlt. In diesem Artikel werde ich aufrichtig versuchen diese beiden Fragen zu beantworten und die letzten Monate in diesem Punkt zu reflektieren.

Während ich mir in einer Busfahrt darüber den Kopf zerbrochen habe, wie ich diese Fragen beantworte und was ich alles erläutern sollte, ist mir einiges durch den Kopf geschossen.

Die beiden Fragen

  • Warum reist du alleine?
  • Wie fühlt es sich an alleine zu reisen?

wurden am häufigsten gestellt. Nicht nur Freunde und Familie in Deutschland haben mich gefragt, auch Touristenführer in Vietnam und in Bali und einige Paare und Freunde die zusammen Neuseeland bereisen.

 

Warum reist du alleine?

Für viele ist es schwer verständlich, wieso man sich alleine auf eine Reise begibt. Alleine reisen sei doch verrückt. Tausende Kilometer in eine andere Kultur zu reisen und dabei keine vertraute Person dabei zu haben, sei doch verrückt oder einfach nicht sicher.

Legian Beach
Backpacker am Legian Beach

Besonders Freunde in Deutschland wundern sich über meine Entscheidung und sagen teilweise: „Ich würde es mir nicht trauen.“

Für mich war der springende Punkt, dass es unmöglich ist jemanden zu finden, mit dem ich ein Jahr lang jeden Tag und jede Nacht verbringen kann. Ich rede bewusst nicht von „möchten“, es geht wirklich ausschließlich um das „können“. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mein eigenes Wohlbefinden gewährleisten kann, wenn ich mit einer zweiten Person für so eine lange Zeit verreise.

Jeder Soloreisender, mit dem ich mich darüber unterhalten habe, gab als ausschlaggebenden Punkt an, dass sie ihre eigenen Entscheidungen fällen möchten. Genau das macht auch den eigentlichen Reiz aus.

Soloreisende möchten morgens aufwachen und frei entscheiden können, was sie unternehmen: Strand, Wandern, in ein Museum oder einfach gar nichts unternehmen. Sie möchten auch Verantwortung übernehmen für Entscheidungen, die sie selbst treffen.

Paare sind immer an den Anderen gebunden und möchten abgesichert sein. Ich denke, dass die meisten Soloreisenden eine Reise nutzen, um sich selbst zu finden und/oder sich weiterzuentwickeln.

Natürlich muss man auch die andere Seite beleuchten. Es ist fast unmöglich, einen Reisepartner zu finden, der für ein Jahr alles in Deutschland zurücklassen würde.

Falls du lieber mit einem Freund oder als Paar reisen möchtest, solltest du deine Reisepläne nicht über Bord schmeißen, nur weil du keinen Partner findest. Überall sind Soloreisende unterwegs und gerade in Südostasien will sich jeder unterhalten und Reisepartner für Tagestrips oder für mehrere Wochen finden. In Facebookgruppen organisieren sich viele Reisende in Neuseeland und in jeder größeren Stadt lassen sich über Couchsurfing ein Platz zum Schlafen oder Meetings organisieren.

backpacker community together image
Auf Mount Batur

 

Warum ich also alleine reise, ist ein Entschluss aus mehreren Faktoren (hauptsächlich Verantwortung und freie Entscheidungen) und stand für mich schon seit Frühling 2013 klar. Aus diesem Grund bin ich auch für zwei Wochen alleine nach Italien gereist, um zu schauen, ob ich dabei Spaß habe.

Ich kann jedem zukünftigen Soloreisenden empfehlen, dass man sich zuerst alleine für eine kürzere Zeit in ein Nachbarland aufmacht. Übersteht man eine Zeit von 1-2 Wochen (es ist nicht wichtig, ob man diese Zeit problemlos übersteht), ist man auf jeden Fall für eine längere Reisezeit vorbereitet und man weiß, was kommt.

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Abends im Hostel

 

Wie fühlt es sich an alleine zu reisen?

Eine starke Frage und die Antwort kommt auf den Charakter an.
Es gibt die typischen Partyreisende, die wirklich nie alleine und nüchtern sind, aber über diese Spezies kann ich leider nicht sehr viel schreiben. Ich versuche sie so gut wie möglich zu meiden.

 

Ich selber würde mich als extrovertierten Menschen beschreiben, der in regelmäßigen Abständen Zeit für sich benötigt (also eine Mischung zwischen intro- und extrovertiert). Patrick von 101places hat einen spitzen Artikel zu introvertierten Reisenden verfasst.

In Bangkok, Vietnam, Singapur und Bali war es sehr einfach Reisende zu finden und ein wenig zusammen zu reisen und Abende zu verbringen. Dort war ich nie allein.

In Neuseeland überkommt mich langsam eine kleine Art von Reisemüdigkeit. Nun habe ich nichts dagegen über mehrere Tage an einem Ort zu sein und nicht immer neue Gesichter zu sehen. Auch das Flair der Hostels ist unterschiedlich. In Südostasien war das Flair immer spitze. Die Menschen waren offen und hatten immer Lust auf irgendetwas. Vielleicht ist es ja das andere Klima in Neuseeland, aber in einigen Hostels ist es unpersönlich und die Reisenden haben keine Lust sich mit jemanden zu unterhalten.

 

Die Backpacker-Ethik

Nichts desto trotz, gibt es unter Backpackern/Reisende eine Ethik. In Neuseeland ist sie etwas schwammig, aber in Südostasien ist sie sehr präsent.

Reisende geben sich gegenseitig Unterstützung. Es ist egal, seit wann man sich kennt, man fühlt sich als Teil einer Gemeinschaft und ich glaube, dass Backpacker dies einiges Wert ist und sie sich dessen bewusst sind. In einigen Ländern wirst du auf der Straßen übers Ohr gehauen oder andere Sachen können passieren und das Einzige was dich beschützen kann, sind andere Backpacker mit denen du dich unterhältst.

traveller photo
Gruppenfoto

Backpacker sind eine Community, denn es gibt zwei Punkte, die sie verbindet:

  1. Backpacker sind unterwegs.
  2. Backpacker sind am selben Ort.

Wo diese beiden Kriterien zustimmen, gibt es eine Gemeinschaft an Menschen.

 

Fazit

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Selfie nach dem Klippensprung

Leider kann ich nicht für introvertierte oder andere Charaktere sprechen, aber ich hoffe, dass ihr einen Einblick bekommen habt.

Es ist nichts schlimmes dabei alleine auf eine Weltreise zu gehen und man ist auch nicht allein, denn eher muss man vor neuen Bekanntschaften weglaufen. Menschen sind nett und jeder hat eine Geschichte.