Gastartikel: Zagreb – Krawatten und Quark

Zugegeben, das Reiseziel Kroatien ist kein Geheimtipp. Das Land ist eigentlich sogar ein beliebter Klassiker unter den Urlaubsländern. Dorthin fuhr man schon, als es den Staat „Jugoslawien“ noch gab. Aber wer kennt die Hauptstadt Zagreb?

Wer schon einmal in Kroatien war, kennt vor allem die traumhafte Adriaküste, wie bei Trogir (Blogartikel) und Split. Das wissen auch die Kroaten, besonders die Einwohner der Hauptstadt Zagreb. „An der Küste gibt es eigentlich nur Küste – sonst nichts!“, sagen die Zagreber abschätzig, denn ihre Stadt bietet mehr.

Dolac, der zentrale und größte Markt der Stadt - der Bauch von Zagreb.
Dolac, der zentrale und größte Markt der Stadt – der Bauch von Zagreb (Foto: Kalle Sonnenberg)

Das Stadtbild könnte als ein Musterbeispiel europäischer Stadtgeografie dienen. Zagreb hat eine Oberstadt auf einem Hügel mit Bauwerken des 18. Jahrhunderts und älter, wie die Reste der Stadtbefestigung. Und es gibt eine Unterstadt, die im 19. Jahrhundert entstand, als sich die Stadt über die mittelalterlichen Stadtgrenzen hinaus ausdehnte.

Die Stadt Zagreb hat heute knapp 800.000 Einwohner, was man ihr nicht ansieht, wenn man sich im Zentrum aufhält. Hier wirkt sie allenfalls mittelstädtisch. Am Markusplatz (Markov trg) stehen einige Amtsgebäude, man erkennt das an ihrer Beflaggung. Sie wirken wie bescheidene Gebäude einer Stadtverwaltung. Andere Städte dieser Größe haben durchaus imposantere Rathäuser. Aber die Gebäude am Markusplatz sind sogar das Machtzentrum eines Staates, das Parlament und das Regierungsgebäude der Republik Kroatien.

Kroatiens Stolz

Stolz sind die Kroaten auf das rotweiße Schachbrettmuster ihres Wappens. Das einzigartige Muster ist beliebt und nicht nur in Zagreb ein allgegenwärtiges Symbol der nationalen Identität.

Stolz ist man auch auf ein modisches Accessoire, das sich seit dem 19. Jahrhundert weltweit als Teil der Herrenmode durchgesetzt hat: der Schlips. In Zagreb wird man fortwährend darauf hingewiesen, dass dieses längliche Stück Stoff, der Legende nach, als Bestandteil der Uniform eines kroatischen Reiterregiments den französischen König Ludwig XIV beeindruckt hätte. Und aus dem französischen „à la cravate“ (deutsch: nach kroatischer Art) sei das Wort „Krawatte“ entstanden.

Krawatten findet man daher in jedem Souvenirshop, darunter auch immer welche mit dem landestypischen Schachbrettmuster. Aber weil dieses Muster sowieso überall präsent ist, gibt es Krawatten mit diesem Dessin auch in Modegeschäften und dort natürlich in besserer Qualität.

Zagreb, die Hauptstadt der Straßencafés

Zagreb scheint die Hauptstadt der Straßencafés zu sein. Die Leidenschaft der Zagreber für das anregende Getränk übertrifft wohl selbst die der Italiener. Wo immer sich Platz bietet, werden Tische auf die Straße gestellt. Und die Straßencafés sind zu jeder Tageszeit gut gefüllt. Besonders in der Tkalciceva Straße (Ulica Ivana Tkalčića) reihen sich Cafeś und Bars aneinander. Hier flanieren die Zagreber am liebsten, auch bereits am Vormittag. Abends und am Wochenende macht man sich chic und lässt sich sehen. Trotz des Flairs, ein Kaffee am Vormittag oder ein Cocktail am Abend ruiniert in der Tkalciceva nicht die Urlaubskasse.

Wachwechsel der "Hobbyhusaren" vor der Markuskirche
Wachwechsel der „Hobbyhusaren“ vor der Markuskirche (Foto: Kalle Sonnenberg)

Sympathische Hobbyhusaren

Auf dem Markusplatz (Markov trg) vor der Markuskirche (Crka svetoga Marka) inszeniert eine Gruppe von Hobbyhusaren einen Wachwechsel. In dem Kostüm der Kroatischen Reiter, natürlich mit Krawatte, gibt man sich Mühe, aber die Präzision der Gardesoldaten in London oder Moskau erreichen sie nicht. Dieser historischen Ehrengarde dürfen auch Frauen angehören, dass macht die Militäreinheit sympathisch, trotz der ernsten, kriegerischen Mimik. Der Wachwechsel findet an Samstagen, Sonn- und Feiertagen statt, jeweils in den Mittagsstunden. Wer ihn verpasst, kann der Garde in den darauf folgenden Stunden noch begegnen, wenn sie durch die Straßen des Stadtzentrums marschiert.

Mit der „Ex-Axt“ wurde Schluss gemacht

Eine Stadt, die sich als kulturelles Zentrum präsentieren will, braucht Museen. Zagreb hat sie. Historische Museen von Frühgeschichte bis Neuzeit, Kunstmuseen für antike bis moderne Kunst, Museen für Technik und Handwerk.

Einzigartig ist das „Museum der zerbrochenen Beziehungen“ in der Oberstadt. Seine scheinbar unspektakulären Exponate stehen für gescheiterte Beziehungen, schmerzhafte Trennungen und unerfüllte Hoffnungen. Für dieses Museum braucht man Zeit, die Ausstellungsstücke sind nicht selbsterklärend. Erst durch die erläuternden Texte erschließen sie sich. Die Bleistiftnotiz auf einem kleinen Blatt Papier ist der Abschiedsbrief einer Mutter an ihr Kind, vor ihrem Suizid. Und mit der „Ex-Axt“ wurden die Möbel einer früheren Lebenspartnerin zertrümmert. Im Jahr 2011 erhielt das „Museum der zerbrochenen Beziehungen“ den Sonderpreis der Jury des „Europäischen Museums des Jahres“.

In Zagreb kann man Quark

In bestimmten Regionen gelingt es Spezialisten, aus einfachen und günstigen lokalen Nahrungsmitteln mit Kenntnis, Erfahrung und Sorgfalt kulinarische Kostbarkeiten zu zaubern. In Italien klappt das offenbar mit allem. In Zagreb und seinem Umland gelingt das mit Speisequark. Anderswo ist er ein zumeist unbeachtetes und billiges Zwischenprodukt, an das keine besonderen Qualitätsanforderungen gestellt werden, hier ist er eine Delikatesse. Den besten kauft man auf dem Dolac, dem zentralen und größten Markt der Stadt. Günstig ist der Speisequark dort trotzdem.

Kostenlose Führungen in englischer Sprache bietet der Tourismusverband der Stadt an. Ausgangspunkt ist die Reiterstatue auf dem Ban-Jelačić-Platz, der zentrale Platz der kroatischen Hauptstadt. Die etwa zweistündige Tour führt zu den Highlights der Unterstadt um den Dolac-Markt, über die Oberstadt zur Kathedrale von Zagreb. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Trinkgeld wird gern entgegengenommen.

Die Stadt hat Charme; nicht zuletzt, weil es wenig Touristen gibt. Nirgendwo fühlt man sich von Reisegruppen umzingelt. Zagreb scheint hauptsächlich eine Stadt für Kroaten zu sein. Wenn das so bleibt, dann bleibt auch die Stadt Zagreb ein Geheimtipp.

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